Zunftkanne der Böttcher

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Die Kanne gehörte zum Zunftgeschirr der Böttcher. Sie ist aus Zinn hat einen überlangen, schmalen Hals. Der zierliche Deckel wird von einem Adler mit halb geöffneten Flügeln bekrönt.Die Oberfläche der Kanne ist mit Gravuren dekoriert. Auf der Vorderseite sind zwei Handwerker darstellt, die ein Fass mit Reifen versehen. Darüber sind Initialen eingraviert. In der anderen Schauseite ist ein Fass eingraviert, das von zwei geflügelten Löwen eingerahmt wird. Eine Krone schwebt über dem Fass. Darüber findet sich die Jahreszahl 1796. Die Schmalseiten sind mit Blütenranken verziert.  Die vier Füße haben die Gestalt von kleinen Fässern. Die Initialen gehen wahrscheinlich auf den Spender der Kanne zurück.

 

Im Mittelalter hatten sich in den Städten die Handwerker einzelner Berufe zusammen geschlossen. Der Zusammenschluss diente der inneren Organisation eines Handwerks. Man stimmte sich untereinander ab und verteidigte die Interessen des Handwerks nach außen. Die Unterstützung der einzelnen Zunftmitglieder in Notfällen war ebenso wichtig. Das Leben des Gruppenmitgliedes wurde der Zunft entscheidend bestimmt. Nur in dieser Einbindung konnte der Zunfthandwerker seiner Arbeit nachgehen. Die Gemeinschaft der Amtsmeister regelte die Arbeit und Betriebsführung des Einzelnen, die Qualität seiner Produkte und kontrollierte seine sittliche Lebensführung. Sie sicherte ihn in individuellen Notfällen ab und betete für das Seelenheil ihrer verstorbenen Mitglieder.

Die regelmäßigen Zusammenkünfte hatten einen festen Rahmen und feste Zeremonien, zu denen eine Zunftkanne und Pokale gehörten.

Nutzungsänderung

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Häuser verändern sich. Einmal erbaut sind sie keineswegs statisch und unveränderbar. Häuser sind vielmehr langlebige Objekte, die von mehreren Generationen genutzt werden.

 

Im Laufe der Jahrhunderte verändern sich auch die Lebensbedingungen der Bewohner; Bedürfnisse wechseln ebenso wie Gewohnheiten. Vor allem aber die Veränderung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hat Folgen.

 

Die Gebäude werden den jeweiligen Bedürfnissen angepasst: Fenster werden vergrößert, Raumfunktionen geändert, Fassaden verkleidet oder grundlegend nach modischen Strömungen geändert.

Aus Fachwerkhäusern werden im 18. und 19. Jahrhundert durch Vorblenden einer Ziegelsteinwand augenscheinlich Steinhäuser. Im 20. Jahrhundert beobachtet man gegenläufige Phänomene: Durch vorgesetztes Bretterfachwerk wird aus einem Steinhaus nach außen ein vermeintliches Fachwerkhaus.

 

Viele dieser Änderungen hinterlassen im Laufe der Zeit Spuren. In Steinbauten erkennt man die alten Strukturen anhand der Baunähte, weil Öffnungen oft ohne Einbindung in den Mauerverband geschlossen wurden. An Fachwerkhäusern hinterlässt jede aufgelöste Verbindung anhand von Zapf- oder Nagellöchern Spuren im Holz.

Mit ihrer Hilfe lassen sich alte Baustrukturen rekonstruieren: Etwas eine ursprüngliche Kleinräumigkeit im Hausinneren, die durch das Entfernen von Zwischenwänden verschwand, um das Bedürfnis der späteren Generation nach größeren Räumen zu befriedigen.

 

Auch im Haus aus Kalsbach von 1667 finden sich Spuren einer Veränderung. Über dem Türdurchgang zur Waschkammer befindet sich als Querholz der obligatorische Türsturz. Oberhalb dieses Sturzes sieht man an den Türständern auf jeder Seite vier Löcher im Holz. Hier saßen Holznägel, die einen früheren Türsturz sicherten. Dieser lag deutlich höher als der heutige. Die Türöffnung wurde also nachträglich sichtbar verkleinert.
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Bakelit - Kunststoff erobert die Haushalte

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Der Ventilator der französischen Firma Martinot stammt aus den 1920er Jahren. Die Kamera Luxus Boy der deutschen Firma Bilora wurde 1956 hergestellt. Beide Objekte sind aus dem duroplastischen Kunststoff Bakelit gefertigt. Er war der erste industriell gefertigte Kunststoff.

 

Bakelit wurde 1905 von dem belgischen Chemiker Leo Hendrik Baekeland entwickelt. Seit dem Beginn des Jahrhunderts experimentierte er mit Phenolharz und Formaldehyd. Er entdeckte,  dass sich beide Stoff zu einem stabilen Kunstharz verbinden. Die warme Masse dieser Verbindung ließ sich in Formen pressen und durch Wärme und Druck härten. So entstand ein stoßfester, leichter Stoff, der außerdem nicht leitend ist.

 

1907 erhielt er für dieses Verfahren ein Patent. Baekeland gründete 1910 eine Firma bei Berlin, die Bakelit produzierte.Es wurde und wird zur Herstellung von Haushalts- und Küchengegenständen, Telefonen, Ziergegenständen, Modeschmuck, Waffen (Beschläge), Büroartikeln, Lichtschalter- und Steckdosen-Gehäusen und generell als Isolationsmaterialverwendet.

Heute wird das Phenol-Formaldehydharz noch in Anwendungen eingesetzt, bei denen mechanische und thermische Belastbarkeit, Brandresistenz und chemische Beständigkeit der Bindung gefordert werden, Produkte aus Bakelit sind wegen ihres Designs und ihrer Bedeutung für die Alltagskultur und die Industriegeschichte heute vielfach gesuchte Sammlerstücke.

Recycling von Bauholz

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Fachwerkhäuser entstanden im Rheinland überall dort, wo Bauholz leicht und billig zu beschaffen war. Der waldreiche Westerwald und der nahe Rhein, über den Flößholz geliefert werden konnte, boten ausreichend Material und gute Transportwege für den Fachwerkbau.

 

Die Bauweise „Fachwerk“ besteht aus einem tragenden Holzgerüst und den Füllungen, den namengebenden „Gefachen“. Zur Ausfachung dient mehrheitlich Lehm, der auf ein hölzernes Flechtwerk aufgetragen und glatt gestrichen wird. Neben dem Lehm werden auch andere Materialien wie Naturstein, ungebrannter Lehmstein oder Backstein verwendet.

 

Das Haus aus Hanf ist ein reiner Fachwerkbau. Der Wohnteil des Streckhofes wurde 1688 errichtet und bekam 34 Jahre später einen neuen Stall- und Scheunenteil hinzu. Alle Gebäudeteile sind in schlichter Fachwerkkonstruktion errichtet worden, ohne Verzierungen und sonstigem Bauschmuck.

 

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Inmitten der sonst sehr regelmäßigen Fachwerkkonstruktion zeigt sich am Haus aus Hanf aber eine Fehlstelle. Es wirkt, als sei der Riegel durchtrennt und in zwei Teilen eingebaut worden. Man fragt sich unweigerlich, wie dieser Riegel zusammenhält?

 

Bei dem Riegel handelt es sich um ein durchgehendes Holzstück, das bereits in einem älteren Gebäude verbaut war. Ursprünglich war an der Fehlstelle eine diagonale Strebe überblattet. Zu diesem Zweck wurden Riegel und Strebe auf voller Breite eingekerbt und ineinander gesetzt.

 

Beim Neubau eines Hauses wurden oft brauchbare Hölzer aus den abgerissenen Altbauten weiter verwendet. Auch in waldreichen Gebieten durfte Bauholz nicht einfach verschwendet werden. Beim Einbau des alten Riegels in die neue Scheune aus Hanf 1722 wurde die alte Einkerbung einfach mit Lehm zugeputzt.

Lehmann- Blechspielzeug

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Die beiden Blechautos und das Doppelrad sind mechanisches Spielzeug der Firma Lehmann. Das Auto „Tut Tut“ wurde ab 1905 produziert. Es ist wohl eines der bekanntesten Lehmann Autos. Der Herr mit dem Horn erzeugt tatsächlich hupende Töne, da das Spielzeug mit einem kleinen Blasebalg ausgerüstet ist. Zu Beginn der Motorisierung wurde in Preußen das Hupen verordnet, wenn Fahrzeuge entgegenkamen. Diese Verordnung wurde in dem Spielzeug karikiert.

 

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Das Auto „Oho“ wurde neben dem ähnlichen Auto „Lolo“ ab 1906 gefertigt. Es hat die zweisitzigen Kutschenwagen der ersten Automobile als Vorbild. Das Doppelrad „Zickzack“ wurde 1903  in den USA und 1907 in Deutschland patentiert. Dieses Schaukelauto hat einen Schwarzen und einen Weißen als Fahrer, die miteinander oder gegeneinander fahren. Alle Fahrzeuge sind mit einem Federaufzug ausgerüstet.

 

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Ernst Paul Lehmann wurde 1856 in Berlin geboren. Er war ein Erfinder und Tüftler.

1880 reichte er sein erstes Patent ein: eine Büchse für körnige und  pulverförmige Substanzen. Mit seinem Partner Jean Eichner stellte er zunächst Blechverpackungen her. Nach dessen Tod produzierte er in Brandenburg ab 1888 auch Blechspielzeug. Jedes seiner entwickelten Spielzeuge ließ Lehmann patentieren.

Ob menschliche Figuren, Tiere, Autos, Motorräder, Flugzeuge oder Schiffe, alles konnte sich durch einen eingebauten Antrieb selbständig bewegen.                         

Viele der Personen sind stark typisiert und spiegeln den Humor des Erfinders wider.

Sie sind deshalb beliebte Sammlerstücke. Das Blechspielzeug fand in der Folgezeit Abnehmer in der gesamten Welt. 1934 verstarb Lehmann. Er hatte seine Fabrik zuvor an Johannes Richter übergeben. Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Werk enteignet. 1951 begann der Neuanfang des Werkes in Nürnberg. Noch heute wird von Lehmann Blechspielzeug hergestellt.

Farbigkeit

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Historische Fachwerkhäuser bestehen nicht nur aus einer Holzkonstruktion mit Lehm und Putz. Auch die Oberflächen der Wände sind aussagekräftige Zeugen architektonischer Systeme und modischer Strömungen.

 

Als Witterungs- und Verschleißschicht haben sie die bautechnische Aufgabe, konstruktive Teile der Fachwerkwand zu schützen. Sie sind daher einer starken Abnutzung ausgesetzt und bedürfen regelmäßiger Wartung und Erneuerung.

Somit sind auch Farbgebungen an Fachwerkhäusern nichts Unveränderliches; es finden sich vielmehr im Laufe der Jahrhunderte oft zahlreiche unterschiedliche Farbfassungen.

 

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Lange Zeit ging man davon aus, dass in vergangenen Jahrhunderten Holz und Stein in ihrer natürlichen Oberfläche belassen wurden. Farbanalysen an historischen Hausfassaden zeigen aber immer wieder auch im Rheinland eine unerwartete Farbigkeit. Flächendeckende und verallgemeinerbare Kenntnisse zur Oberflächengestaltung früherer Jahrhunderte scheitern aber meistens am Fehlen ausreichender Quellen. Vor allem die radikale Renovierungswelle des Nachkriegsbaubooms hat viele historische Oberflächen unwiederbringlich zerstört.

 

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Die Farbgebung des Heyerhofs zeigt eine mögliche Variante historischer Farbfassungen. Farbtöne in grau und beige finden sich oft gerade im 18. und 19. Jahrhundert. Das Streichen der gesamten Hauswand inklusive Holzbalken sollte so einen massiven Steinbau vortäuschen.

 

Steinbauten waren kostenintensiver als Fachwerkbauten, brachten aber auch einen höheren Repräsentationsgewinn. Von der Ferne betrachtet konnte ein einheitlich gestrichenes Gebäude in der Tat wie ein Steinbau wirken.

Die Fenstergewände wurden üblicherweise farbig abgesetzt. In diesem Fall in einem Grünblauton, der möglicherweise eine Sandsteineinfassung vortäuschen sollte.

2 Kinderroller – Wandel im Spielzeug

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Die beiden Kinderroller dokumentieren den  Wandel in der Spielzeugproduktion.

Der Holzroller mit dem aufwändig gestalteten Entenkopf wurde in Einzelanfertigung hergestellt. Es ist ein einfacher Trettroller aus Holz, der für ein kleineres Kind hergestellt wurde.

 

Möglicherweise hat ihn ein Stellmacher für ein bestimmtes Kind gefertigt. In Spielzeugkatalogen aus der Zeit um 1925 sind ähnliche Roller zu finden. Jedoch haben sie keine angesetzten Tierköpfe. Der Roller aus Metall stellt eine technische Fortentwicklung dar. Der Wipproller der Firma Wittkopp in Bielefeld war nach dem 2. Weltkrieg sehr verbreitet. Allerdings geriet er nach kurzer Zeit in Vergessenheit.                                                                                           

 

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Der Antrieb erfolgte von dem Wippbrett über eine Zahnstange auf das Hinterrad.

Die Roller wurden mit oder ohne Sitz angeboten. Sie waren allerdings nur für das Fahren auf geraden Strecken geeignet. Ihr Mechanismus war sehr anfällig. 

 

Der einfache Roller, der handlich und leicht jederzeit benutzbar ist, hat das technisch aufwändige Modell überdauert. Einfache Fortbewegungsmittel, wie Roller oder Rad,

sind aus der Spielwelt der Kinder nicht  mehr wegzudenken. Von Tretträdern für die Kleinsten bis zu mehrgängigen Geländerädern der Großen reicht das Angebot. Seit der Motorisierung werden auch Kinder in das Verkehrsgeschehen einbezogen.

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Dreschflegel

Vor Erfindung des Mähdreschers wurde das Getreide mit dem Dreschflegel gedroschen,

um die Samenkörner aus den Ähren zu lösen. Der Dreschflegel besteht aus einem langen Holzstiel, einem beweglichen Zwischenstück aus Holz oder Leder einem kurzen, dicken Prügel aus Hartholz.

 

Zum Dreschen wurde das geerntete Korn auf der Tenne ausgelegt. Die Drescher standen im Kreis und schlugen im Takt auf das Getreide, das durch den Aufprall in die Luft sprang. Oft hatte die Scheune zwei gegenüberliegende Türen, so dass die leichte Spreu

durch den Luftzug weg flog und das schwere Korn zu Boden fiel.

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Schon im Altertum war der Dreschflegel ein wichtiges bäuerliches Werkzeug. Seine Bezeichnung geht vermutlich auf das lateinische „flagellum“ (Geißel) zurück. Der Flegel war neben dem Hirtenstab das Attribut des ägyptischen Gottes Osiris. Während  des Mittelalters war der Flegel neben der Sense eine wichtige Verteidigungswaffe der Bauern.

Historische Stiche aus den deutschen Bauernkriegen zeigen Bauern mit Dreschflegeln als Bewaffnung.

 

Meist stellte der örtliche Stellmacher die Dreschflegel her. Das einfache Gerät musste so konstruiert sein, dass es die vielen kräftigen Schläge überstand. Das Verbindungsteil zwischen Handhabe und Prügel war der empfindlichste Punkt. Das Gelenk zwischen Handhabe und Prügel war entweder aus Lederschlaufen oder gebogenem Hartholz mit Eisenbeschlägen oder Lederriemen befestigt. Viele Flegel zeigen Spuren von Reparaturen.

 

In Deutschland wurde mit der Einführung der Dreschmaschine um 1900 der Dreschflegel zurückgedrängt. Seit der Einführung der modernen Mähdrescher ist der Dreschflegel nur noch Dekoration an Hauswänden oder in Partykellern.

Wessel’s Wandplatten - Fliesen aus Bonn

Die drei Fliesen aus der Zeit um die Jahrhundertwende zeigen Blumenmotive:

Die Blüte mit Blattranke und die Seerose sind pflanzliche Motive mit klaren Linien und in gegenständlicher Formensprache. Die dritte Fliese ist ein stark stilisierter Blütenstempel mit symbolträchtigem Ausdruck.

 

Die Fliesen stammen aus der Wandplatten Fabrik Wessel, die in Bonn von 1880 bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts Fliesen produzierten. Wandfliesen waren bereits im 18. und 19. Jahrhundert auch auf dem Land verbreitet. Sie schmückten die Feuerwand der offenen Herdstelle oder die Wände hinter einem Kamin. Oft waren die in Handarbeit hergestellten Fliesen dekoriert oder mit Ritzdekor versehen.  

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In der Mitte des 19. Jahrhunderts änderten sich die Produktionsbedingungen. Maschinen wurden zum Kneten und Pressen eingesetzt, die Serienproduktion von Fliesen begann. Durch die Einflüsse des Kunstgewerbes wandelten sich die Muster. Die traditionellen Motive wurden durch modere Entwürfe von Künstlern und Entwerfern, die bei Wessel beschäftigt waren, ersetzt.

So wurden um 1900 zahlreiche verschiedene Dekore produziert, die dem Jugendstil und den Strömungen der Kunstgewerbebewegung verpflichtet sind. Florale Motive standen dabei im Vordergrund. Ihre Darstellungsbreite reichte von den abstrahierten Darstellungen, über stilisierte Pflanzendekoren bis zu naturalistischen Blüten.

 

Die Fliesen befinden sich zum Teil noch heute in zahlreichen Fluren, Hauseingängen, Küchen, Badezimmern, Eingangshallen von gutbürgerlichen Häusern in den Innenstädten Europas, so in Bonn. Neben hygienischen und praktischen Erwägungen kamen sie dem bürgerlichen Wunsch nach einem dekorativen Erscheinungsbild von Haus und Wohnung entgegen.

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in den Innenräumen wurden besonders Fliesen verwendet, die einen Fries oder ein Ornament ergaben. Bei der Fassadengestaltung wurden ebenfalls Fliesen meist als Ornamentfries eingesetzt. Die Gebäude erhielten mit Hilfe der keramischen Bauelemente eine besondere F assadengestaltung und Struktur. Nach den 30er Jahren nahm die Vielfalt der Muster deutlich ab.Die Wessel Wandplatten Fabrik ist nach mehreren Umstrukturierungen 1989 in der Agrob Wessel Servais AG aufgegangen,

die noch heute Fliesen produziert.

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Das Kräuterbuch

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Der Originaltitel lautet: „Kreuterbuch. Kunstliche Conterfeytunge der Bäume, Stauden, Hecken, Kreuter, Getreide, Gewürtze“. Der Autor dieser frühen Schrift ist Adam Lonicer. Das Buch wurde bei C. Egenolff Erben 1577 in Frankfurt a. M. gedruckt. Es hat 840 kolorierte Textholzschnitte, die die beschriebenen Pflanzen darstellen.

 

Adam Lonicer oder Adam Lonitzer wurde 1528 in Marburg geboren und starb 1586 in Frankfurt. Er war Arzt, Botaniker, Chemiker und Physiker und heiratete Magdalena Engenolff, die Tochter seines Herausgeber und Druckers.  Nach dem Tod des Schwiegervaters betrieb er die Druckerei weiter.

 

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Der Autor beschreibt die Pflanzen und gibt Hinweise für ihre Heilkraft. Mit vielen handkolorierten Handzeichnungen ist es ein anschauliches Handbuch für die Heil- und Pflanzenkunde. Außerdem werden viele der damals bekannten Tiere beschrieben und in Holzschnitten dargestellt.

 

Ein gesondertes Kapitel gibt eine Einführung in die Destillation mit allen nötigen Gerätschaften. Neben der Beschreibung geben die Zeichnungen Aufschluss über das Aussehen der verwendeten Geräte.  

 

Lonciers botanische Schriften waren von großem Einfluss. Carl von Linné benannte eine Pflanze nach ihm „Genus Lonicera “. In der Folgezeit gab es bis ins 18. Jahrhundert viele Nachdrucke des Kräuterbuchs. Das Buch steht in der Tradition der Schriften von Leonhardt Fuchs (1501- 1566). Fuchs gilt als einer der Väter der Pflanzenkunde. Er verfasste über 50 Bücher.   

Seinen Ruhm verdanke er jedoch seinen Kräuterbüchern. 1543 erschien sein „New Kreüterbuch“ mit Beschreibungen von 400 europäischen und 100 exotischen Pflanzen. Es war Vorbild für Lonicers Werk.  In dem Buch spiegelt sich das botanische Wissen des 16. Jahrhunderts. Es eröffnet Einblicke in die Glaubensvorstellungen und  den Gebrauch von Heilkräutern der Zeit.